Viren sind das neue Must-have für alle Hypochonder und Hysteriker. Von Affenpocken über Vogelgrippe bis zum Nipah-Virus. Während die WHO Aufmerksamkeit benötigt, um an Gelder zu kommen und dafür die Unterstützung der Presse verwendet, ist die Psychologie in sozialen Netzwerken etwas ausgefeilter.
In der Vor-Internet-Ära las man in der Zeitung über ein mutiertes Grippevirus, und wenn das Kind das Teil aus dem Kindergarten oder der Schule mitbrachte, kam der Kinderarzt. Irgendwann ging man dann selber zum Hausarzt, weil das Grippevirus nicht unbedingt am Kind haltmachte.
Und heute? Heute muss ein Kind das Virus erst gar nicht nach Hause bringen, damit das Virus in einem Dorf namens Internet in allen Facetten auseinandergenommen und durchdiskutiert wird.
Wobei es dabei überhaupt nicht auf Fakten ankommt. Im Gegenteil, Fakten sind unerwünscht. Der Hysteriker benötigt keine wissenschaftlichen Fakten, um sich an dem Virus auszutoben. Je weniger Fakten, umso besser. Das Vogelgrippevirus gehört längst zu den Dauerbrennern. Lange vor Corona wurde es fast jährlich im Wechsel mit der Schweinegrippe durch die sozialen Medien gejagt.
Natürlich gehören auch Corona und seine mutierten Formen zu diesen modernen Dauerbrennern. Weil dies mit der Zeit langweilig ist, orientiert man sich dann etwas mehr auf exotische Varianten.
Nehmen wir die Affenpocken (Mpox) nochmals hervor. Um an Affenpocken zu erkranken, muss man den Träger des Virus sehr lieb haben. Hinter dem Virus steht keine Tröpfcheninfektion, man kann es nicht an der Supermarktkasse oder im Autobus bekommen.
Das Nipah-Virus ist zwar extrem ansteckend, aber es treibt sein Unwesen in Südostasien. In Westbengalen in Indien gab es im Januar und Februar exakt zwei Fälle.
Macht nichts, wir hätten da das Oropouche-Virus (OROV) im Angebot. Das wird durch tropische Stechmücken (Bartmücken) übertragen. Die Symptome ähneln dem Denguefieber, und diese Stechmücken gibt es in Deutschland nicht. Meist verläuft das Fieber ohne Komplikationen. Wenn doch mal in seltenen Fällen eine Meningitis hervorgerufen wird (selten, kann aber vorkommen), ist ein Krankenhausaufenthalt in Europa die Folge. Auch dieses Virus holt man sich nicht an der Supermarktkasse bei Rewe oder Spar und auch in der Migros steht es nicht im Regal.
Die Chance, in Europa Meningitis durch eine Zecke zu bekommen, ist deutlich höher als durch Stechmücken. Auch daran ist ein Virus schuld, aber entsprechende Kleidung im Wald und Insektenschutz helfen vorbeugend. Zudem gibt es eine Impfung in Risikogebieten.
Alle diese Infos lassen sich leicht in medizinischen Onlinebibliotheken oder bei Google abklären.
Warum laden soziale Netzwerke zur Hysterie ein?
Soziale Netzwerke sind eine Massenansammlung von Menschen und Charakteren. Nicht wer besonnen mit dazugehörigen wissenschaftlichen Links versucht aufzuklären, wird gehört, sondern wer am lautesten schreit.
Emotionen sind die Währung der sozialen Netzwerke. Jeder im Marketing weiß, dass er in erster Linie Emotionen im Internet vermitteln muss. Nicht Wissen, sondern Bauchgefühl ist gefragt. Nur korrespondiert das Bauchgefühl nicht immer mit dem Verstand. Erst soziale Netzwerke machen manches möglich, was ohne diese unmöglich wäre. Eben darum, weil es vor allem Masse ist. Was kann man dagegen tun? Erziehung zur Besonnenheit, kritisch hinterfragen, lernen, eine Hypothese nachzukontrollieren, dabei nicht unbedingt einer KI vertrauen und schon gar nicht sozialen Netzwerken. Früher waren es Stammtische in Kneipen, die gut für Verschwörungstheorien waren, heute sind diese Theorien nur einen Klick entfernt. Der Stammtisch ist online. Das sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, bevor man sich von irgendwelchen Emotionen davontragen lässt.
Bildquelle: KI generiert