Ist wirklich das Immunsystem schuld an Herzerkrankungen? Und was bedeutet dies für die Pharmaindustrie?
Gefäßablagerungen durch Immunzellen?
Fett- und Cholesterinablagerungen in Gefäßen sind nur indirekt das Hauptproblem. Die Ablagerungen führen zu Antworten des Immunsystems. Weiße Blutkörperchen (Makrophagen) wandern in die Gefäße ein, um das „Fremdmaterial“ zu eliminieren. Sie wandeln sich in sogenannte Schaumzellen um, die wiederum Entzündungsstoffe (Zytokine) freisetzen.
Andauernde Entzündungen führen dann letztlich zur eigentlichen Herzerkrankung.
Herzmuskelentzündungen
Nach Infektionen wie zum Beispiel auch einer simplen Grippe können fehlgeleitete Immunzellen (T-Lymphozyten) gesundes Herzgewebe attackieren.
Autoimmune Krankheiten und Herzkrankheiten
Forschungen zeigen, dass Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis oder rheumatoider Arthritis ein signifikant höheres Risiko für Herzerkrankungen aufweisen.
Was ist neu in der Herzmedizin?
Zum Beispiel die Rolle der Makrophagen bei einer atherosklerotischen Ablagerung. Forschende der LMU haben dies nun genauer untersucht.
Fettfreie Makrophagen übernehmen eine doppelte Funktion: Makrophagen räumen Zelltrümmer ab, darunter auch die DNA abgestorbener Zellen, und können so die Bildung von Cholesterinkristallen begrenzen. Damit kann die Entzündung in den Arterien eingedämmt werden. Andererseits greifen sie zugleich das Endothel an – jene dünne Zellschicht, die die Innenseite der Gefäße schützt.
Das RNA-Molekül miR-147 ist dabei ausschlaggebend. Diese MicroRNA wird vor allem in fettfreien Makrophagen gebildet und kann dabei die Entzündungen begrenzen.
miR-147 hemmt aktiv die Bildung des Proteins Galectin-3 in fettfreien Makrophagen. So wird das Immunsystem dabei unterstützt, die Arterien besser zu schützen.
Neu ist der Ansatz bei Herzmuskelentzündungen
Hier wird nun Gewebe-Engineering betrieben und die zerstörten oder entzündeten Zellen im Herzen werden durch gesunde Zellen ersetzt.
Im Labor hergestellte Kardiomyozyten (hiCMs) sollen zukünftig verlorenes Herzmuskelgewebe ersetzen. Dabei stammen die Zellen vom Patienten selbst. Anders als bei einer Fremdtransplantation müsste der Körper damit ohne Probleme umgehen können.
Was bedeuten die Fortschritte in der Forschung der Herzmedizin für die Pharmaindustrie?
Sie fördern neue Ansätze, insbesondere bei der individuellen Medikamentenherstellung. Dies gilt beispielsweise für das Arbeiten mit körpereigenen Zellen des Patienten, auch in der Pharmamedizin, statt nach der einen Tablette für alle zu suchen.
Umso wichtiger sind dabei aber auch die Hygiene und die GMP-Richtlinien – und dafür sind wir da! Schulen Sie sich und Ihr Personal weiter. Mehr Infos finden Sie in unserem Weiterbildungsangebot.
Bildquelle: KI generiert
Quellenangaben: Deutsches Herzzentrum